Regionalität in Perfektion - Neue Lausitzer Küche und Weine aus Brandenburg

Sonntag, 25. Juni 2017 - Bailliage Berlin-Brandenburg


Der Goldene Hahn in Finsterwalde in der Lausitz liegt nicht wirklich „um die Ecke“ von Berlin, eineinhalb Stunden ist man mit dem Auto unterwegs. Aber dann!!! Bei strahlendem Sonnenschein wurden die Gäste in dem kleinen Innenhof mit einem Glas Hausaperitif mit Erdbeerkaviar verwöhnt. Einfach köstlich!

Im Gastraum wartete eine lange Tafel auf uns, an der alle 25 Chaîne-Mitglieder und ihre Gäste Platz nehmen konnten. Wir saßen kaum, als auch schon der Patron des Hauses, Maître Rôtisseur Frank Schreiber in Begleitung seiner Gattin Iris und der Winzerin Bettina Muthmann vom Weingut Wolkenberg, die uns die Weine kompetent erläuterte, eintraten. Die drei begeisterten mit ihrer Fröhlichkeit, ihrem Charme und ihrem Humor ihre Gäste auf Anhieb.

Die Eröffnung des Menüs bestätigte einmal mehr, dass es die einfachen Dinge sind, die wir am meisten schätzen. Es gab ein gebackenes Bio-Ei aus der Region mit Gurke, Luther-Senf, Dill und Kohle-Salz. Das lauwarme, geschälte und panierte Ei war ein Hochgenuss.

Als zweiter Gang folgte das Milchkalb (aus dem Ort Proschim und natürlich auch aus artgerechter Haltung) mit Pfifferlingen und Zwiebelgemüse. Das Fleisch war perfekt gegart, und die Beilagen passten wunderbar. Den Abschluss bildeten Lausitzer Erdbeeren und Zitronenmyrte-Eis mit Sauerampfer, Salzkaramell und Baiser, eine köstliche Kombination, die auf der Zunge zerging.

Wie wir bereits bei der Begrüßung erfahren hatten, verfasst Iris Schreiber Geschichten rund um die Kulinarik, die sie auch bereits in einem Buch veröffentlicht hat. Zwischen den Gängen amüsierte sie uns dann mit drei ihrer humorvollen Geschichten.

Bemerkenswert waren auch die begleitenden vier Weine aus dem Hause Wolkenberg. Das Weingut wurde benannt nach einem gleichnamigen Dorf, das dem Braunkohlebergbau weichen musste. Die Weinberge liegen heute im Bereich des rekultivierten ehemaligen Tagebaus. Damit hatten die Weine, wie alles andere, das auf den Tisch kam, ihren Ursprung in der Lausitz. Noch überraschender als ihre Herkunft war aber die hohe Qualität, die uns wohl alle erstaunte. Wer hätte gedacht, dass in Brandenburg Rotwein angebaut werden könnte.

Nach dem Essen ging es dann in einem kleinen Konvoi in jenes etwa 40 Autominuten entfernte Braunkohleabbaugebiet von Welzow, aus dem der Wein kam. Ein ehemaliger Kumpel gab uns einen Überblick über den Tagebau und die Renaturierung der Flächen. Das Gebiet, auf das wir - wiederum bei strahlendem Sonnenschein - herabschauen konnten (Tagebau Welzow-Süd, Teilabschnitt I), beeindruckte allein schon durch seine Größe. Mit 89 Quadratkilometern ist es nicht viel kleiner als die Insel Sylt.

Den Abschluss des Nachmittags bildeten zwei Sorten bodenständigen Streuselkuchens vom Blech und deutscher Filterkaffee oder wahlweise auch Tee im Gutshaus Geisendorf. Und als alle dann wieder in ihren Autos saßen, fing es kräftig an zu regnen...

Text:  Dr. Hans-Joachim Hoffmann, Vice-Chargé de Missions
Fotos:  Sabine Hauk, Officier; Dr. H.-J. Hoffmann; Prof. Dr. D. Schwefel, Chevalier

 

Hotel & Restaurant Goldener Hahn
Bahnhofstraße 3, 03238 Finsterwalde (Elbe-Elster)
Tel. 0 35 31 – 22 14, Fax 0 35 31 – 7 19 80 26
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